Wenn Sie schnell ans Ziel gelangen wollen, gehen Sie langsamer!
“Also iss dein Brot, trink deinen Wein, und sei fröhlich dabei! Denn schon lange gefällt Gott dein Tun! Trag immer schöne Kleider, und salbe dein Gesicht mit duftenden Ölen! Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst, solange du dein vergängliches Leben führst, das Gott dir auf dieser Welt gegeben hat. Genieße jeden flüchtigen Tag, denn das ist der einzige Lohn für deine Mühen. Alles, was du tun kannst, wozu deine Kraft ausreicht, das tu! Denn im Totenreich, wohin auch du gehen wirst, gibt es weder Tun noch Denken, weder Erkenntnis noch Weisheit. Ich habe beobachtet, wie es auf dieser Welt zugeht: Nicht die Schnellen gewinnen den Wettlauf und nicht die Starken den Krieg. Weisheit garantiert noch keinen Lebensunterhalt, Klugheit führt nicht immer zu Reichtum, und die Verständigen sind nicht unbedingt beliebt. Sie alle sind gefangen in der Zeit, ein Spielball des Schicksals.“
Prediger 9, 7-11 (“Hoffnung für Alle” Übersetzung)
Nicht den Schnellen gehört der Wettlauf ...
Ja, das Buch Kohelet, wie dieses Buch auch heißt, kann einen schon mit der ganzen Wucht seiner Melancholie überwältigen. Es kann aber auch helfen, die Welt und unseren Platz zu verstehen. Knallhart und sehr direkt setzt sich der Schreiber in aller Härte mit vielen Fragen des Seins und Denkens auseinander.
Und zu diesen Fragen gehört auch die Frage nach dem Sinn aller Anstrengungen in der Welt. Aber auch die Mahnung, den Augenblick zu ergreifen und anzupacken, wenn es sich anbietet. Wenn es sich anbietet! Aber nicht ohne Unterbrechung, denn auch diesen Teil lässt das Buch nicht aus: die Mahnung zur Gottesfurcht und zur Freude am Leben.
Wie finden Sie zu einem Leben im Gleichgewicht zurück, wenn Sie aus der Balance sind?
Das Buch Kohelet (Prediger) bietet da ganz praktische Anleitungen: essen, trinken, duftende Öle – alles sehr weltliche Dinge. Das ist sicher ein Weg, um sich eine Auszeit zu gönnen und zu entspannen. Wellness würde man heute vielleicht sagen.
Ein anderer Weg sind geistliche Übungen. Sie können ebenfalls dazu beitragen, Ihr Leben wieder ins Gleichgewicht zu bringen, Ihre innere Sammlung wiederzufinden und Kraft zu tanken. Eine besondere Form dieser geistigen Übungen sind “Exerzitien“: Dazu können Sie tageweise oder wochenweise in die Einsamkeit eines Klosters abtauchen, eine lange Wanderung machen oder bei sich zu Hause die Stille und Abgeschiedenheit suchen.
Denn erst wenn der Lärm der Welt schweigt, fängt die Seele an zu sprechen
Fragen werden hörbar und Ihr aufgewühlter Geist kann zur Ruhe kommen. Lassen Sie diese Fragen zu:
- Worum dreht sich mein Leben?
- Was bewegt mich besonders lange und intensiv?
- Was ist nebensächlich für mich?
- Wie kann ich unterscheiden, was wirklich wichtig, was zweitrangig ist?
Die Langsamkeit ist eine große Qualität in diesen Augenblicken. Darum nutzen Sie die Gelegenheit und gehen Sie in halben Schritten von A nach B. Tun Sie alles, was Sie tun, in Zeitlupe aber mit 100 % Bewusstsein. Langsamkeit im Körper gibt der Seele die Chance mitzukommen, denn sie reist im Normalfall mit einer anderen Geschwindigkeit, als wir denken. Auch das kann eine Exerzitie sein: das Tempo in der Welt zu drosseln und bewusst anzuhalten, wenn es besonders schnell gehen soll. Machen Sie Pausen in den Momenten, wo die Welt um Sie herum im Chaos unterzugehen droht. Erlauben Sie sich, nach innen zu hören und aufmerksamer zu werden. Wann immer Sie Gelegenheit haben, gehen Sie in einer großen Menschenmenge gegen den Strom – das wird Ihnen helfen, auch gegen den Strom zu entscheiden. Anzuhalten. Nein zu sagen. Ruhig zu werden und bei sich zu bleiben.
Beginnen Sie den Tag eine halbe Stunde früher und danken Sie Gott mit einem Morgengebet. Und schließen Sie den Tag anstelle mit Fernsehen mit einem Spaziergang ab. Suchen Sie die Ruhe und finden Sie beim Laufen Ihren eigenen Rhythmus. Lassen Sie sich nicht von Pulsuhren, Fitnesszielen oder sonstigen Leistungsmaßstäben leiten.
So wie Sie den Tag langsamer begonnen habe, schließe Sie ihn auch ab: indem Sie sich Zeit lassen. Danken Sie Gott mit einem Abendgebet für Gelungenes und überlassen Sie ihm das Unvollendete. Befehlen Sie sich und die Menschen, die Sie lieben, seinem Schutz und vertrauen Sie sich ihm auch für diese Nacht an.
