Auf der Jagd nach der Unsterblichkeit das Leben vergessen
Geschrieben von: Gabi Breuer
Zum Erntedankfest sah Paula, eine Freundin der Familie, gut aus, schien lebensfroh und voller Zuversicht.
Heute ist sie sterbenskrank. Der Krebs hat ihr das Augenlicht genommen. Ein Gesichtshälfte ist gelähmt, und sie hat die zweite Runde der Chemotherapie abgelehnt.
Orientierungslos machte ich mich auf die Suche nach einer Karte, um ihr meine guten Wünsche zu übermitteln. Die Verkäuferin, der ich mein Problem schilderte, nickte wissend und führte mich zu den Karten unter der Rubrik „Hoffnung, Kraft und ernsthafte Krankheiten“.
Bei der Vorstellung, dass jede dieser Karten in eine hoffnungslose Situation gesendet und von noch hoffnungsloseren Menschen gelesen wird, musste ich schlucken.
Und ich erinnerte mich an den Satz des russischen Novellisten Vladimir Nabokov, der zu seiner Antrittsvorlesung an der Cornell-Universität, USA, gesagt hat, er wisse nur zwei Dinge ganz genau. Zum einen: Das Leben ist schön. Und zum anderen: Das Leben ist traurig. Und der Grund, warum es traurig ist, ist, weil es irgendwann zu Ende geht.
Der Tod, der ungebetene Gast, kann uns auch einen Gefallen erweisen. Denn er kann uns daran erinnern, was das Wichtigste im Leben ist.
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