Es gibt keine schlechten Tage

Hamilton Jordan kennt in Deutschland vermutlich niemand. Als er im Jahr 2008 verstarb, gab es kein Staatsbegräbnis und keine Salutschüsse. Hamilton Jordan war selbst in seinem Heimatland, den USA, ein weitestgehend Unbekannter. Auch wenn er es als Stabschef von Jimmy Carter in einer schwierigen Zeit zu einigem Ansehen gebracht hatte.

Aber die, die sich an ihn erinnern, werden das aus einem ganz bestimmten Grund mit Respekt und Ehrfurcht tun. Und ich erzähle Ihnen auch gleich, warum.

Denn Jordan war ein Krebspatient. Dreimal wurden bei ihm unterschiedliche Krebsherde diagnostiziert. Die erste Diagnose lautete Lymphdrüsenkrebs, was Jordan selbst als eine Folge seines Kontaktes mit Agent Orange in Vietnam ansah. Diesem Kampf folgte die Diagnose auf Hautkrebs und schließlich Prostatakrebs.

Im Jahr 2000 verarbeitete er seine persönliche Biografie in einem Buch mit dem Titel  „No Such Thing as a Bad Day“ (Es gibt keine schlechten Tage). Und in einem Interview mit einem großen amerikanischen Gesundheitsportal wurde er gefragt, wieso er ausgerechnet diesen Titel gewählt habe.

Seine Antwort darauf lautete: „Ich habe einen jungen Mann beraten, der einen Hirntumor hatte. Ich rief ihn eines Tages an, um ihn zu fragen, ob er einen guten Tag hat. Und wissen sie, was er mir geantwortet hat: Meine Frau ist 32 Jahre alt. Meine Kinder sind 4 und 6 Jahre alt und mein Arzt hat mir heute eröffnet, ich habe noch maximal 2 Monate zu leben. Es gibt keine schlechten Tage.“

Jordan berichtete in diesem Interview darüber, wie sehr ihn die Haltung dieses jungen Mannes beeindruckt hat, und er machte diese Einstellung zu seiner Lebenseinstellung. Neben der Chemotherapie und den Operationen gehörte die Kraft, sich auf seine emotionalen und spirituellen Ressourcen zu konzentrieren, ebenfalls zu seinem Therapieplan und er sagte seiner Familie und seinen Freunden stets, wie glücklich und gesegnet er sich fühle.

Während dieser Zeit entstanden auch Jordans „Top-10-Tipps für Krebs-Patienten“. Vielleicht kennen Sie ja jemanden, mit dem Sie diese Tipps teilen möchten?

1. Bleiben Sie ein aktiver Partner bei jeder medizinischen Entscheidung, dir Ihr Leben betrifft. Verhalten Sie sich nicht passiv. Informieren Sie sich über Ihre Krankheit und nehmen Sie an allen Entscheidungen aktiv teil.
2. Lassen Sie sich die Wahrheit sagen über Ihre Krankheit und die Prognose, die Sie haben. Wenn Sie die Fakten nicht haben und die Wahrheit nicht kennen, können Sie keine guten Entscheidungen treffen.
3. Suchen Sie immer eine zweite Meinung. Ein guter Arzt wird Sie darin unterstützen. Wenn Ihrer Ihnen dabei keine Unterstützung bietet, wechseln Sie umgehend den Arzt.
4. Klären Sie vorher ab, wie viel Erfahrung Ihr Arzt hat, und wechseln Sie gegebenenfalls zu einem Arzt, der sich mit Ihrer Krankheit auskennt.
5. Wenn Sie eine schlechte Prognose haben oder an einer seltenen Krebserkrankung leiden, suchen Sie eine Klinik auf, die ein onkologisches Zentrum hat. Die Krankenversicherungen decken eine Behandlung in einem onkologischen Zentrum ab.
6. Lassen Sie nicht zu, dass die, die Sie versorgen sollen, ihre Vorstellungen und die eigenen Ängste auf Sie und Ihre Krankheit übertragen. Jordan erzählt zum Beispiel die Geschichte eines 68 Jahre alten Patienten, der an Prostatakrebs erkrankte. Sein Arzt, 35 Jahre alt, stellte die Rechnung auf, dass er auch bei einer normalen Lebenserwartung nur noch 5 bis 6 Jahre hätte und daher auf eine Behandlung verzichten sollte. Der Patient wechselte den Arzt, ließ die Prostata entfernen und lebte auch viele Jahre später noch bei nahezu bester Gesundheit.
7. Versuchen Sie die wirtschaftliche Seite der Krebstherapie zu verstehen. Lassen Sie Ihren Arzt wissen, dass Sie Extrakosten übernehmen, wenn dadurch eine bessere Diagnose möglich ist. Lassen Sie es nicht an einem Test scheitern, wie gut Sie therapiert werden, nur weil Ihre Krankenversicherung den vielleicht nicht zahlt.
8. Finden Sie einen Arzt, dem Sie in jeder Hinsicht vertrauen. Wenn Ihr Arzt nicht daran glaubt, dass er Sie heilen kann, können Sie schon gar nicht daran glauben, dass Sie es schaffen werden. Suchen Sie sich einen Arzt mit einem Kämpfergeist.  
9. Behandeln Sie Ihren Geist ebenso gut wie Ihren Körper. Gehen Sie aus. Treffen Sie Freunde. Bleiben Sie so aktiv, wie Sie können. Und wenn Sie aktiv am Leben teilnehmen, ist auch Ihr Immunsystem aktiver.
10. Ihre Haltung und Ihre Glaubenssätze sind Ihr bester Schutz vor Krebs. Ihre emotionale, intellektuelle und körperliche Antwort auf die Worte „Sie haben Krebs!“ hat eine Menge damit zu tun, wie Sie diese Situation meistern und welche Qualität Ihr Leben von nun an haben wird. Eine positive Haltung und der Wille zu leben können Ihre Behandlung am besten unterstützen.

Jordans eigene Haltung war beispielhaft. Er hat sich gegen den Krebs gewehrt und gleichzeitig eine aktive Lebenseinstellung bewahrt. Er war als Berater für Nike aktiv und ein Mitglied der Lance-Armstrong-Stiftung. Er war ebenso Gründungsmitglied verschiedener therapeutischer Einrichtungen wie auch Vorsitzender verschiedener Non-Profit-Organisationen.

Jordan überlebte seine erste Krebsdiagnose um 22 Jahre. Und starb mit 63 an den Folgen seiner Erkrankung. Was wir alle aus seiner Geschichte lernen können, ist dieser wichtige Satz: Es gibt keine schlechten Tage.