Ich möchte noch mal 20 sein ...
Ach ja, schön wär’s vielleicht manchmal schon, so klingt’s oft wehmütig im Bekanntenkreis. Irgendwann scheint die Zeit zu kommen, in der man sich entscheidet: färben oder nicht färben. Und wie es aussieht, ist das bei weitem nicht die schwierigste Veränderung, die die Lebensmitte so mit sich bringt.
Spätestens, wenn man beim Besuch einer Tanzveranstaltung das Gefühl hat, alle anderen sind jünger als man selbst, wird einem unwohl in der Haut. Und allerspätestens, wenn der eigene Ehemann nur von früher und damals erzählt, von Jugendlieben und Motorradtouren, allerspätestens dann ist klar: Das Lied “Ich möchte noch mal 20 sein und so verliebt wie damals ...“ kommt nicht von ungefähr. Das ist erlebt, erlitten und irgendwie nicht erledigt.
So ganz persönlich und unter uns: Wenn Sie mich fragen würden, um nichts in der Welt wollte ich noch mal 20 sein. Nicht für 5 Minuten. Mein Leben, so wie es jetzt ist, ist mir wesentlich lieber.
Aber ich treffe zunehmend auf die Wehmut des Älterwerdens und das erinnert mich dann wie ein spitzer Stein im Schuh daran, dass es eben nicht nur die anderen sind, die jedes Jahr ein Jahr älter werden, sondern ich auch!
“Denn selbst wenn ein Mensch viele Jahre zu leben hat, freue er sich in dieser ganzen Zeit und er denke zugleich an die dunklen Tage: Auch sie werden viele sein. Alles, was kommt, ist Windhauch. Freu dich, junger Mann, in deiner Jugend, sei heiteren Herzens in deinen frühen Jahren! Geh auf den Wegen, die dein Herz dir sagt, zu dem, was deine Augen vor sich sehen. Aber sei dir bewusst, dass Gott dich für all das vor Gericht ziehen wird. Halte deinen Sinn von Ärger frei und schütz deinen Leib vor Krankheit; denn die Jugend und das dunkle Haar sind Windhauch.“
Prediger 11, 8–10
Und wenn ich mir das alles mit ein wenig Abstand anschaue, dann denke ich, dass die Wehmut vor allem bei denen groß ist, die ihre Jugend nicht bewusst und mit Dankbarkeit erlebt haben, sondern nur konsumiert.
Das ist zu wenig. Denn es bleibt nicht. Und es ist nichts an Licht und Schönheit von dem übrig, was die Jugend hell und heiter macht, wenn, wie der Prediger es nennt, “... die dunklen Tage kommen ...“. Diejenigen, die trauern, sind die, die nicht auf ihr Herz gehört haben. Sondern die dem Rausch des Moments gefolgt sind. Auch davon bleibt nichts.
Aber der Prediger-Text gibt uns noch so etwas wie einen Notnagel mit auf den Weg: Denn er rät uns, unseren Sinn frei von Ärger zu halten und unseren Leib vor Krankheit zu schützen. Während die Jugend vergeht, ist das immerhin eine alterslose Empfehlung.
Auch wenn wir, realistisch betrachtet, nie wieder 20 werden und unsere Jugend irgendwann wie ein Windhauch vergeht – Gott hat uns einen Körper geschenkt, der alt werden kann, und einen Geist, der der Unbeschwertheit der Jugend mit Weisheit und Liebe begegnet.
Und der Prediger gibt uns am Schluss seines Buches eine kurze, knappe, aber sehr praktische Anleitung:
“Hast du alles gehört, so lautet der Schluss: Fürchte Gott und achte auf seine Gebote! Das allein hat jeder Mensch nötig.“
Prediger 12, 13
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