Das Leben ist kein Wunschkonzert

„Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden.“

2. Timotheus 4, 3–4

Wenn man das so liest, kann man kaum glauben, dass diese Worte so um 60 bis 70 n. Chr. verfasst wurden. Sie klingen so aktuell und so zeitnah. Die eigenen Wünsche zum Programmdirektor zu machen und sich das rauszupicken, was gerade am bequemsten in den Lebensplan passt, scheint ein altes Leiden zu sein.

Paulus nennt das Kind beim Namen: Fabeleien

Ein schönes, altes Wort für das, was sich heute hinter den verschiedenen Selbsterfahrungs-Trips kirchenmüder Christen verbirgt. Vom Feuerlauf bis zum Yogi-Hüpfen, je ausgefallener, desto besser. Da muss es der Frauentag in Indien sein, der zu neuen spirituellen Impulsen führt. Der Gospel-Kurs in Kanada und der „Zurück-zur-Natur-Wanderpfad“ in der Mongolei.

Ich frage mich allerdings: Würde nicht der stille Raum in der Kirche um die Ecke oder der Waldweg vor der Haustür und die Chorprobe nächste Woche in der Heimatgemeinde ebenso heilsam für die Seele sein?

Alles haben wir schon einmal ausprobiert, alles gesehen, alles erfahren. Wir können mitreden, wenn es um transzendierte Erfahrungen geht, um fernöstliche Meditationspraxis und um den korrekten Gebrauch von buddhistischen Gebetstrommeln. Aber wenn es darum geht, die 10 Gebote zu benennen oder das Vaterunser zu sprechen, fehlen uns die Worte.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch – ich finde es wichtig und richtig, sich nicht hinter den dicken Mauern eines festgefahrenen Glaubens zu verstecken. Aber ich finde es sehr wichtig, zuerst und in aller Tiefe den eigenen Glauben, die eigene Lehre zu erkunden und zu verstehen. Auch dann, wenn es mal unbequem wird. Denn nach scheinbaren Alternativen sucht man doch immer nur in den Momenten, in denen das Gras auf der anderen Seite des Zaunes grüner aussieht. Oder?

Wenn Sie wirklich einmal eine Glaubenskrise haben und Fragen an Gott, dann suchen Sie nicht nach einer Wunschantwort

Suchen Sie nach der Wahrheit Gottes. Gehen Sie den unbequemen Weg. Den, der direkt vor Ihrer Haustür beginnt. Den, der eben nicht exotisch ist. Sondern alltäglich. Einfach, aber echt. Unspektakulär, aber voller Wunder. Das ist der Weg, den sich Gott für Sie wünscht. Und wenn sein Rufen Ihren Ohren einmal „nicht schmeichelt“, wie Paulus das so nett ausdrückt, hören Sie trotzdem hin und folgen Sie ihm. Denn bei ihm ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben!“