Kraft tanken und den eigenen Rhythmus wiederfinden
Erst wenige Wochen ist das jetzt her, als in dicken Lettern durch die Presse ging, dass Hausfrauen gestresster sind als Manager. Stichworte wie Burn-out-Syndrom, Depression, Herzrhythmusstörungen und schwere Rückenprobleme sind schon lange Stichworte, die durch die Medienlandschaften geistern.
Eigentlich, dachte ich beim Lesen, sollten wir unserem Körper dankbar sein, dass er uns mit Warnsignalen anzeigt: Hier gehst du über das Maß deiner Möglichkeiten! Nur, wer ist heute noch so weise, darauf zu hören? Schließlich gibt es für alles eine schnelle Lösung. Meist in Pillen-Form und zum größten Teil nicht verschreibungspflichtig.
Diese kleinen Pillen besangen schon die Rolling Stones in einer Liedzeile mit „mother’s little helpers ...“ – und das zu einer Zeit, wo es nur wenig Frauen gab, die mindestens einen Beruf, ihre Familie, Hobby, Sport und Haushalt unter einen Hut bringen mussten. Seitdem ist das Gefühl, weit über das Maß ihrer Möglichkeiten zu gehen, bei 80 % der Frauen angekommen: Sie geben an, dass sie permanent in Eile und Hetze leben und dass dieser Druck noch schlimmer sei als die Doppelbelastung durch Job und Familie.
In den USA hat diese Erkenntnis bereits einen klangvollen Namen: die Hetzkrankheit („Hurry Sickness“), an der heutzutage angeblich in Amerika bereits jede zweite Frau leiden soll. Typische Symptome unter anderem: Herz- und Magenbeschwerden, Spannungskopfschmerz, Angstzustände, geschwächtes Immunsystem, Schlafstörungen.
Bevor Sie zu einer Pille greifen – liebe Leserin, lieber Leser –, stellen Sie sich diese 3 Fragen:
1. Was ist die Ursache für den Druck, den Sie von außen und von innen spüren? Sie können die äußere Ursache vermutlich nicht von heute auf morgen abstellen. Aber Sie können ihr einen Namen geben. Sie können anschauen, wem oder welchen Dingen Sie in Ihrem Leben zu viel Macht über sich selbst geben. Und Sie können versuchen, über Ihren Atem, eine Berührung, ein Gebet wieder in Kontakt zu sich selbst zu kommen. Nach Ihrem Maß und Ihrem Tempo.
2. Wie ist Ihre Einstellung zu dem, was Ihnen Druck macht? Warum geben Sie anderen so viel Macht über sich und Ihr Leben? Was ist der tiefere, verborgene Sinn dahinter? Geht es um ein Bedürfnis nach Zuwendung, Anerkennung, Bestätigung und Liebe? Wenn es darum geht, dann gehen Sie behutsam noch ein Stück weiter auf diesem Weg: Sie sind von Gott getragen und geliebt. Das befreit Sie von allem Druck, der Welt gefallen zu müssen.
3. Welche Kraft treibt Sie? Ist Ihr Maß für Ihr Leben das Streben nach Perfektionismus und Ehrgeiz? Wie weit sind Sie von Ihrem eigenen Maß damit entfernt? Von was schneiden Sie sich mit diesen Vorgaben ab? Und was sagt Ihre innere, weise Stimme zu der Frage, wie es anders aussehen könnte?
Der erste Schritt kann eine Zeit der Stille sein, die Sie wie ein festes Ritual in Ihrem Leben installieren. Dieser Freiraum für sich selbst bringt Ihnen auch Freiheit und Freiraum in anderen Dingen. Probieren Sie es aus. Und halten Sie es bei. Beginnen Sie mit 5 Minuten am Tag. Und steigern Sie diese Zeit auf 30 Minuten.
Inschrift im Franziskanerkloster von Lyon
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