Damit werden Frauen ein rosa Wunder erleben
... und die Pharmaindustrie einen neuen Bestseller. Denn diese Pille, die lustlose Frauen sexuell stimulieren soll, ist ja ein Kaufanreiz für beide Geschlechter. Demnächst erhalten Frauen anstelle der ohnehin viel zu selten verschenkten Blumen oder Pralines das rosa Viagra in der Geschenkschatulle.
Flibanserin klingt zwar ganz und gar nicht verführerisch, soll aber Frauen mit einem zu geringen sexuellen Verlangen auf Höchsttouren bringen.
Auch wenn Frauen es noch nicht wissen: Wer nicht immer kann oder immer will ist sexuell gestört. Dieses Krankeitsbild, dass es noch nicht gibt, wurde gerade passend zur rosa Verführung neu erfunden und mit lauten Marketing-Trommeln beworben:
Sexuellen Dysfunktion, so heißt es, bedeutet für die Frau von heute eine erhebliche seelische Belastung die das weibliche Selbstwertgefühl schwächt.
Aber kein Problem, dass Frau nicht mit einer passenden Pille lösen kann, so die Bewertung ernsthafter Forscher. Ein „Meilenstein“ für ein unterschätztes Problem, für das es noch nicht einmal ein offzielles Krankheitsbild gibt.
Warum erinnert das nur ganz fatal an das den Frauen angetextete Krankheitsbild der Wechseljahre? Und den Mord auf Raten, den die Pharmaindustrie über 20 Jahre mit der Hormonersatztherapie an Frauen begangen hat? Warum gibt es niemanden, der gegen diese Mafia Sturm läuft während in Brüssel darüber befunden wird, wie gefährlich wohl die Wirkung von Brennesseltee einzustufen ist? Und warum sind nicht die Frauen, deren Mütter als Opfer der Hormonersatztherapie viel zu früh verstorben sind an Herzinfarkt, Schlaganfall und vorzugsweise Brustkrebs als erste auf den Barrikaden?
Fakt ist: 1992 wurde in den USA eine große Studie aufgesetzt um den Nutzen der HET (Hormonersatztherapie) bei Frauen nach den Wechseljahren wissenschaftlich zu beweisen. 16.000 Frauen erhielten dabei eine Östrogen-Gestagen-Kombination oder ein Scheinmedikament.
Gott sein Dank kam es zu einer Zwischenüberprüfung dieser weltweit bislang größten Studie. Das NID – das nationales Gesundheitsinstitut der USA – brach daraufhin die Studie vorzeitig ab. Der Grund: die mit den Hormonen behandelten Patientinnen erkrankte überdurchschnittlich oft an Brustkrebs und Herzinfarkte als die mit dem Placebo behandelte Gruppe. „... die Nachteile übertrafen die Vorteile an Häufigkeit“, so Jacques Rossouw vom National Heart, Lung, and Blood Institute.
Irgendwie möchte man sich da nicht mehr vorstellen, wie viele Frauen in den letzten Jahrzehnten im Vertrauen auf das Wissen ihres Arztes unnötigerweise behandelt worden sind, und das mit ihrem Leben bezahlt haben.
Warum schauen also wieder ALLE schweigend zu, wie die Pharmaindustrie eine neue Störungen erfindet um neue Märkte zu erschließen? Oder sollte ich besser fragen: um die wegbrechenden Umsätze der Hormonersatztherapie aufzufangen?
Weiblichen Libidostörungen – mal unter uns: Glauben Sie ein Pflaster kann heilen, wenn die Seele leidet? Oder eine Pille eine lieblose Beziehung ersetzen? Oder unwahrscheinlicher noch: uns bei regelmäßiger Einnahme helfen unseren in die Jahre gekommenen Körper liebevoll zu betrachten?
Das neue rosa Trostpflästerchen für die Frau VOR den Wechseljahren setzt in seiner Wirkung an den Lustzentren im Gehirn an. – Kein Wunder, denn Flibanserin wurde als Wirkstoff gegen Depressionen entwickelt.
Und anders als das spontane himmelblaue Hilfsprogramm für den Mann muss Flibanserin natürlich täglich eingenommen werden. Kein Problem: das können Frauen! Die tägliche Einnahme anderer Hormonbomben wie Kontrarezeptiva ist ja der beste Beweis. Das als Nebenwirkungen unter anderem Müdigkeit, Schwindel und Angstgefühle bemerkt werden stört zumindest die nicht, die es verkaufen wollen.
