Tatort: Arbeitsplatz – Opfer: Liebe – Täter: Männer und Frauen.

„Denn die Lippen der fremden Frau triefen von Honig, glatter als Öl ist ihr Mund. Doch zuletzt ist sie bitter wie Wermut, scharf wie ein zweischneidiges Schwert“

Sprüche 5, 3–4

„Stell dir vor: Die aus der 6. Etage, du weißt schon, die Produktionsassistentin, die ist doch glatt mit ihrem Kollegen zusammengezogen. Von jetzt auf gleich. Ohne Vorwarnung. Und dabei war die doch erst ein Jahr verheiratet. Keine Ahnung, was an dem dran ist. Ich fand ja ihren Mann ganz nett und gut aussehen tut der auch.“

Integrität, Treue, Ehrlichkeit und Gewissenhaftigkeit sind heutzutage auf viele Arten und Weisen am Arbeitsplatz gefordert. Bei allen Finanzkrisen und Erschütterungen im Wertesystem ist die älteste Versuchung der Welt etwas aus dem Blickfeld geraten. Dabei ist sie aktuell wie nie.
Single-Männer und -Frauen, die in der Arbeit ihre Erfüllung suchen und kaum Zeit finden, ihre Jagdgründe außerhalb des Firmengebäudes zu erkunden. Und Sammler und Sammlerinnen, die erst dann zufrieden sind, wenn auch der glücklich verheiratete Kollege wie eine Trophäe zu ihren Eroberungen gehört.

Kein Wunder, denn täglich gehen Männer und Frauen von zu Hause fort, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen. Täglich lassen sie dabei die unbezahlten Rechnungen, Schwiegermütter, Abfalleimer und Haushaltsarbeiten zurück, um sich im Kreise gut gekleideter, attraktiver, ehrgeiziger und aggressiver Mitarbeiter des anderen Geschlechts einzureihen. Klar, dass es mehr Freude macht, gemeinsam errungene Siege zu begießen, als unerledigte Aufgaben im Haushalt zu teilen.

Und schneller als gedacht wird aus einem guten Arbeitsverhältnis ein Verhältnis, in dem alle unbefriedigten Bedürfnisse gestillt werden: Anerkennung, Bestätigung, Bewunderung, Zuneigung und sogar ein aufmerksames Ohr, denn es geht ja um eine gemeinsame Sache.

Oft hört man dann: Es ist einfach so passiert. Mal unter uns – keine außereheliche Affäre ist ein Unfall. Es ist normal, auch andere Menschen als den eigenen Partner attraktiv, ansprechend und anziehend zu finden. Aber zuzulassen, dass mehr daraus wird, erfordert ein bewusstes Ja, eine echte Wahl. Und wenn jemand diese Wahl getroffen hat, dann im Bewusstsein, dass diese Wahl Folgen haben wird.

Denn Untreue, egal ob mit einem Mitarbeiter, einem Freund oder einem Fremden, kostet etwas. Sie hat Folgen.

Bevor also die erst so süßen Lippen bitter werden und scharf wie ein zweischneidiges Schwert, sollten wir uns dieser Wahl bewusst stellen. Ganz gleich ob Jäger oder Sammler – wenn wir auf Beutezug sind, dann nicht, ohne andere zu verletzen und vielleicht selbst irgendwann durch die scharfe Klinge eines zweischneidigen Schwerts verletzt zu werden.