Trainieren Sie wie die Profis und vergessen Sie Fitness-Märchen und -Mythen

Was ist dran an dem Spruch: „No pain, no gain“ – kein Schmerz, kein Fortschritt? Muss Training wirklich wehtun und entscheidet allein die Menge Schweiß, der rinnt, ob Sie genug Fett verbrannt und Muskeln aufgebaut haben?

Mythos Nr. 1 – Krafttraining – viel hilft viel!

„Kein Schmerz, kein Fortschritt ist der falsche Ansatz“, so Jeffrey Berg, Team-Orthopäde und Physiologe der Washington Redskins (amerikanisches Profi-Football-Team). „Am Anfang des Krafttrainings wird es sicher den ein oder anderen unangenehmen Muskelkater geben, das ist auch vollkommen normal. Aber Gelenkschmerzen, Knochenschmerzen, Muskelzerrungen oder Sehnenschmerzen sollten unbedingt vermieden werden, und wenn sie doch passieren, dann nehmen Sie sie ernst!“

Weniger ist manchmal mehr!

„Um Verletzungen zu vermeiden, starten Sie mit einem leichten Trainingsplan. Wenig Gewicht, geringe Widerholungen“, empfiehlt der Experte Berg. „Mein persönlicher Rat: Wenn Sie gesund sind und Sie sich auch so fühlen, sollte Sie trotzdem lieber zu langsam als zu schnell mit dem Training anfangen.“

Mythos Nr. 2 – Es gibt nur ein bestes Trainingsprogramm

„Das stimmt nicht“, sagt Berg. „Fakt ist, dass es mehrere gute Trainingsprogramme gibt, dass sie aber von Person zu Person besser oder schlechter wirken.“

Mit Abwechslung zum Erfolg

„Sie müssen verschiedene Übungen und Routinen in Ihren Trainingsplan einbauen, um Ihre Ziele zu erreichen“, sagt Berg. „Die Übungen sollten auf Ihre Vorlieben und Ihre Ziele abgestimmt werden.“

Mythos Nr. 3 – Mehr Schweiß = weniger Fett

„Auch das gehört in das Reich der Märchen und Mythen“, so Cedric Bryant, der führende Sport-Physiologe des amerikanischen Physiologen-Verbandes. „Die Menge, die Sie schwitzen, ist ein Indikator für die Fähigkeit Ihres Körpers, die Temperatur zu verringern. Sie schwitzen, wenn sich die Körpertemperatur erhöht, das sagt aber noch gar nichts über Ihre Fettverbrennung oder Ihren Kalorienverbrauch aus.“

Schützen Sie sich mit Wasser vor drohenden Krämpfen, wenn Sie viel schwitzen.

„Krämpfe sind ein Symptom der Dehydrierung“, so Bryant weiter. „Trinken Sie vor dem Sport ausreichend stilles Wasser und schützen Sie Ihren Körper bei Beanspruchung damit vor Dehydrierung und somit vor Krämpfen.“

Mythos Nr. 4 – Krafttraining = viel Muckis, wenig Hirn!

„Das ist ein Mythos, der einen Großteil der Frauen vom Krafttraining abschreckt. Dabei ist es viel mehr eine Frage der Genetik und der Ernährung, wie viele Muskeln ein Mensch tatsächlich aufbaut“, kommentiert Bryant diesen weitverbreiteten Mythos. „Nur unter 1 % der Frauen und unter 10 % der Männer haben die Gene, wie Arnold Schwarzenegger auszusehen“, gibt Bryant an.

Die Mischung macht’s

Krafttraining sollte auf jedem Trainingsplan stehen, denn anaerobes Training (Joggen, Fahrradfahren, Schwimmen …) wird zwar Ihr Herz und Ihre Lungen trainieren, aber Kraft und Koordination steigen erst mit dem Krafttraining. Eine Kombination aus Kraft und anaerobem Training macht einen optimalen Trainingsplan aus.

Mythos Nr. 5 – Training ist ein sicherer Weg, Gewicht zu verlieren

Eine weitere weitverbreitete Annahme ist, dass Training zu einem Gewichtverlust führt – aber das muss nicht immer so sein. „Es kann passieren, dass Sie durch Training zunächst zunehmen, weil sich dann Ihre Körperzusammensetzung ändert“, sagt Bryant. „Sie verlieren mit dem richtigen Training Fett, aber gleichzeitig bauen Sie Muskeln auf. Also wenn sie scheinbar zunehmen, aber Ihre Kleider besser passen, haben Sie dichtere (schwerere) Muskelmasse aufgebaut und gleichzeitig voluminöseres Fett verloren.“

Vor allem spielt Ihre Ernährung beim Gewichtsverlust eine große Rolle.

„Wenn Sie anfangen, Sport zu treiben, verlieren Sie zwar ein wenig Gewicht, aber diesen Effekt können Sie vervielfachen, wenn Sie zusätzlich eine gezielte Diät beginnen“, sagt Bryant.

Mythos Nr. 6 – Sie können gezielt an Problemzonen Fett abbauen

„Es ist schlicht und einfach ein Märchen“, erklärt Bryant. „Es ist egal, wie viele Übungen Sie für eine bestimmte Körperregion machen, es ist physiologisch unmöglich, genau dort Fett zu verlieren.“ Es ist eine schmerzhafte Erkenntnis, aber die Körperregionen, die am schnellsten Fett ansetzen, sind die letzten, an denen Fett abgebaut wird. „Fett wird am ganzen Körper angesetzt oder verloren“, sagt Bryant. „Aber die Regionen, wo am schnellsten Fett angesetzt wird, sind die Regionen, die als letzte Fett verlieren. Also sind für Männer die Bauchregion und für Frauen die Hüften die Stellen, an denen sie als Letztes Fett verlieren werden.“ Das sollte Sie aber nicht abhalten, sich in einem Fitnessstudio oder von einem Sporttherapeuten Ihren gezielten Trainingsplan ausarbeiten zu lassen. Sport und Bewegung können Ihnen wertvolle und lebenswerte Jahre schenken – nutzen Sie jede Gelegenheit, sich in Bewegung zu bringen und in Bewegung zu halten. Ihr Körper wird es Ihnen danken!